Bericht aus der Fraktion zur Mitgliederversammlung 22.04.2026

Bilanz der letzten zwei Jahre: Ein gemischtes Fazit

Die vergangenen zwei Jahre im Stadtrat zeichnen ein gemischtes Bild. Einerseits konnten wichtige Projekte für die städtische Infrastruktur vorangebracht werden, andererseits fehlte es insbesondere im Bereich Klimaschutz und nachhaltiger Stadtentwicklung an Tempo, Konsequenz und politischem Gestaltungswillen.

Zu den umgesetzten bzw. angestoßenen Maßnahmen zählen der Beginn der Sanierung der Reichsstadthalle, die Erweiterung der Toppler-Grundschule, der Neubau des Feuerwehrhauses in Bettenfeld sowie die Radbrücke an der Nördlinger Straße. Auch die Sanierung des Großen Lindleinsees und die Fertigstellung der Mittelschule stellen bedeutende Investitionen in die Zukunft der Stadt dar. Darüber hinaus wurde dem Bikepark, ein Projekt des Jugenbeirates grünes Licht gegeben, der insbesondere für Kinder und Jugendliche ein attraktives Freizeitangebot schaffen soll.

Wohnraum im Fokus: Zwischen Stillstand und Marktdruck

Mit dem Baugebiet Himmelweiher sollte dringend benötigter Wohnraum entstehen. Dass dieses Vorhaben letztlich an fehlenden Fördermitteln gescheitert ist, stellt angesichts der angespannten Wohnraumsituation einen deutlichen Rückschritt dar. Kritisch ist zudem, dass auch die überarbeitete Planung weitgehend an konventionellen Ansätzen festhält. Eine konsequent nachhaltige Ausrichtung ist bislang nicht erkennbar: Flächeneffiziente und ressourcenschonende Bauweisen werden ebenso wenig ausreichend berücksichtigt wie ein klarer Pfad zur Klimaneutralität. Auch ein überzeugendes Konzept für eine sozial und Generationen durchmischte Nachbarschaft fehlt weiterhin. Damit bleibt das Projekt hinter den Möglichkeiten einer zukunftsorientierten und ökologisch verantwortlichen Quartiersentwicklung zurück .
Positiv hervorzuheben ist hingegen die Entwicklung von Wohnraum auf dem BayWa-Gelände, die zeigt, dass Fortschritte grundsätzlich möglich sind. Allerdings werden die dortigen Wohnungen im marktüblichen Preissegment teuer veräußert. Selbst wenn sie dann vermietet werden sollten, wird der Quadratmeterpreis nicht unter 10 € liegen und sind somit für finanziell schwächer situierte Personen nicht bezahlbar.

Großprojekte und Konzepte: Planungen mit Licht und Schatten

Ein weiteres lange unsicheres Vorhaben kommt wieder in Bewegung: Das zwischenzeitlich nahezu aufgegebene Hotelprojekt auf dem Brauhausareal nimmt mit einem neu vorgestellten Investor und Betreiber
erneut Fahrt auf. Eine Garantie, dass es jetzt wirklich umgesetzt wird, gibt es aber trotzdem noch nicht.

Mit dem Radwegekonzept und dem Klimaschutzkonzept wurden zwei zentrale Planungen verabschiedet; zugleich steht die kommunale Wärmeplanung kurz vor dem Abschluss. Das Radwegekonzept schafft
eine solide Basis für eine nachhaltigere Mobilität, wohingegen das Klimaschutzkonzept den bestehenden Anforderungen nicht gerecht wird. Dessen enger Zeitrahmen schränkte darüber hinaus die Möglichkeiten einer vertieften politischen Mitwirkung erheblich ein.

Infrastrukturelle Hürden und mangelndes Tempo beim Klimaschutz

Auch das geplante Solarpark-Projekt entlang der Bahnlinie konnte nicht realisiert werden – nicht aufgrund fehlenden politischen Willens vor Ort, sondern wegen den seit Jahren bekannten unzureichenden infrastrukturellen Voraussetzungen.

Besonders deutlich zeigen sich die Defizite im Klimaschutz in der praktischen Umsetzung. Selbst dort, wo politische Mehrheiten bestehen, gelingt es bislang nur unzureichend, diese in konkrete Maßnahmen zu überführen. Die Bilanz beim Ausbau der Ladeinfrastruktur wirkt dabei beinahe symbolisch: Innerhalb der letzten zwei Jahre wurde lediglich eine öffentliche E-Ladesäule in der Altstadt am Kapellenplatz installiert – angesichts der notwendigen Verkehrswende klar zu wenig.

Punktuelle Fortschritte statt strategischer Klimapolitik

Positiv zu bewerten sind die sukzessive Umstellung auf LED-Beleuchtung sowie die geplante Entsiegelung des Campusgeländes. Diese Maßnahmen gehen in die richtige Richtung, bleiben jedoch punktuell und können eine umfassende, strategisch ausgerichtete Klimapolitik nicht ersetzen. Auch die Begrünung der Altstadt, die einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung leisten könnte, wurde bislang nicht umgesetzt.

Kritische Entscheidungen und klare Kanten

Die vom Landesamt für Denkmalpflege angeregte Erweiterung des Ensembles Altstadt auf Detwang und angrenzende Bereiche wurde vom Stadtrat einhellig abgelehnt. Aus unserer Sicht wurde dieses Vorhaben ohne erkennbaren Bedarf angestoßen und bietet keinen nachvollziehbaren Mehrwert – weder für die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner noch für die langfristige Stadtentwicklung.

Einige Entscheidungen der Stadtratsmehrheit sehen wir ebenfalls kritisch, darunter die Verlängerung des Reiterlesmarktes sowie die Öffnung am Totensonntag. Auch die Zustimmung zur Landesausstellung
2028 ist mit Blick auf die zu erwartenden Kosten und den unklaren langfristigen Nutzen differenziert zu betrachten.

Ausblick: Für eine transparente und nachhaltige Stadtentwicklung

Rothenburg steht vor großen Herausforderungen. Die vergangenen zwei Jahre haben gezeigt, dass Fortschritte möglich sind – jedoch nicht immer mit der nötigen Konsequenz verfolgt werden. Positiv ist, dass künftig eine verbesserte Informationspolitik über eine Bürger-App angestrebt wird, um Transparenz und Beteiligung zu stärken.

Umso mehr bleibt zu hoffen, dass es unter dem neuen Oberbürgermeister und dem künftigen Stadtrat gelingt, die Stadtentwicklung klarer, nachhaltiger und zukunftsfähiger auszurichten.

Auch wir werden uns in der neuen, dreiköpfigen Fraktion weiterhin engagiert einbringen und unsere Arbeit mit Nachdruck fortsetzen. Dafür sind wir auch künftig auf Eure Unterstützung und Rückhalt angewiesen.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!

Beate Junkersfeld, Fraktionsvorsitzende

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