Jahresabschlussrede

Jahresabschlussrede 2025

Zum Abschluss des politisches Jahres 2025 hielt unsere Stadtratsfraktionsvorsitzende Beate Junkersfeld, Grüne Stadtratsfraktion, ihre Jahresabschlussrede in der Dezembersitzung des Stadtrates Rothenburg am Donnerstag, 18.12.2025.

Wir bedanken uns bei allen für das Vertrauen im vergangenen Jahr und wünschen Ihnen einen guten Start in das neue Jahr 2025.

Update zur Jahresabschlussrede

Wir haben uns entschieden, einen Teil unserer veröffentlichten Rede nachträglich zu schwärzen/editieren. Uns ist bewusst geworden, dass die Erwähnung des Vereins Mediroth im Zusammenhang mit der Resonanz auf unsere Informationsveranstaltung als persönliche Zuweisung aufgefasst wurde.

Das war nicht unser Ansinnen. Im gemeinsamen Einsatz für den Erhalt unseres Krankenhauses ist Mediroth ein unverzichtbarer Partner und eine wichtige Stimme der Bürgerschaft. Wir möchten den Fokus wieder auf die Sachebene lenken: Den Kampf für eine gute medizinische Versorgung in Rothenburg.

Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Rothenburg, 22.12.2025


Jahresabschlussrede 2025

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Damen und Herren,

zur Weihnachtszeit haben viele von uns die schöne Tradition, Filme zu sehen, die uns bewegen und inspirieren. Einer dieser Klassiker ist für mich „Tatsächlich… Liebe“. Er erzählt von kleinen und großen Gesten des Miteinanders, von Verantwortung füreinander und von der Kraft, die entsteht, wenn Menschen füreinander da sind – Werte, die auch in unserer Stadt eine entscheidende Rolle spielen.

Während uns dieser Film zum Schmunzeln und Nachdenken bringt, wird gleichzeitig deutlich, dass das echte Leben komplexer und herausfordernder ist.

Kaum eine Region ist frei von Krisen. Kriege, Gewalt, Hunger und die Folgen der Klimakrise zwingen Millionen Menschen zur Flucht. Autoritäre Regime gewinnen Einfluss, internationale Kooperation wird durch nationale Egoismen ersetzt, und die Klimakrise verschärft bestehende Konflikte, bedroht Ernährung, Wasser und wirtschaftliche Stabilität. Gleichzeitig belasten globale wirtschaftliche Unsicherheiten, steigende Energiepreise und soziale Ungleichheit den Alltag vieler Menschen. Verunsicherung, Erschöpfung und Vertrauensverlust nehmen zu.

Gerade in diesen Zeiten zeigt sich, wie wichtig die Arbeit auf kommunaler Ebene ist. Hier in Rothenburg ob der Tauber wird Politik greifbar. Hier entscheidet sich, ob Zusammenhalt gelingt, ob Beteiligung ernst genommen wird und ob Menschen das Gefühl haben, gehört zu werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die vergangenen sechs Jahre haben uns gefordert. Kaum eine andere Wahlperiode zuvor war von so vielen Krisen geprägt, die gleichzeitig, oft unerwartet und mit so unmittelbaren Auswirkungen auf unsere Stadt auftraten.

Ein erster Schlag war der Stopp des Projektes Brauhausareal. Die schnelle Umsetzung der Vision von einem 5 Sterne Hotel mit Wellness- und Tagungsbereichen rund um das ehemalige Sudhaus fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Nach jahrelangen Verzögerungen durch diverse Planänderungen und Anpassungen an das Areal wurde nun endlich dem Ganzen mit einer Fristsetzung ein Ende gesetzt, denn dass es jetzt noch eine Zukunft für ein solches Projekt gibt, ist nahezu unwahrscheinlich. Vielmehr gilt es nun Augen und Ohren offen zu halten und bereit sein für neue Ideen, damit das Areal endlich aus dem Dornröschenschlaf befreit wird.

Ein weiterer Schlag war die Tatsache, dass die staatlichen Fördertöpfe für bezahlbaren Wohnraum leer sind – und das für die nächsten Jahre. Die geplanten und dringend benötigten 200 Wohnungen werden also nicht zeitnah entstehen. Diese Situation verschärft die Wohnungsnot für einkommensschwache Haushalte und stellt uns vor erheblichen Problemen. Vor diesem Hintergrund müssen wir beim Baugebiet Himmelweiher den Fokus auf alternative Modelle der Wohnraumversorgung richten. Neben der Option von genossenschaftlichem Wohnbau kann auch die Konzeptvergaben von Grundstücken, bei denen nicht der Höchstpreis, sondern soziale und ökologische Kriterien entscheidend sind, neue Impulse setzen. Nur durch eine breitere Mischung an Modellen und Akteuren kann es gelingen, auch künftig ausreichend bezahlbaren und sozial ausgewogenen Wohnraum bereitzustellen

Das große Sorgenkind ist aber unser Krankenhaus. In den vergangenen Jahren gab es tiefgreifende strukturelle Veränderungen durch den Bund, die sowohl die medizinischen Angebote als auch die Versorgungsstruktur vor Ort nachhaltig beeinflusst haben. Manche sprechen von einem „ausbluten lassen“ unseres Krankenhauses.

Schade, dass unsere Veranstaltung vor zwei Wochen mit zwei anwesenden Verwaltungsratsmitgliedern zu diesem Thema, sehr schlecht besucht war. [Passage von der Fraktion entfernt]. Dort hätten all die aktuellen Fragen beantwortet werden können.

Ob mit der im Verwaltungsrat des Klinikverbunds beschlossene Neuordnung der Leistungsangeboten den Fortbestand unseres Krankenhauses langfristig sicherstellt, bleibt fraglich und liegt leider nicht in unsere Hand.

Was wir in unsere Hand haben, sind unsere Aufgaben hier vor Ort:

Eines der größten Projekte ist die Erweiterung der Toppler-Grundschule, die im vollen Gange ist. Neben zusätzlichen Klassenräumen entstehen moderne Lernräume, die den Anforderungen einer zeitgemäßen Bildung gerecht werden.

Fast abgeschlossen ist ein weiteres wichtiges Projekt, die Generalsanierung der Mittelschule. Die Räume wurden zu Schuljahresbeginn bezogen. Die Containerschule wartet aber noch auf den Rückbau, damit dann noch die Außenanlagen neu angelegt bzw. wiederhergestellt werden können.

Einen planmäßigen Baufortschritt sieht man beim Feuerwehrhaus in Bettenfeld, das bis zum kommenden Sommer bereits bezugsfertig sein wird.

Auf den Weg gebracht ist die Generalsanierung der Reichsstadthalle. Ziel ist die Fertigstellung bis zur Eröffnung der Landesausstellung 2028.

Was etwas Sorge bereitet, ist die Situation mit unseren Kindergärten. Der Sanierungsstau drückt immer mehr und wie jetzt ersichtlich ist, sind Containerlösungen keine sicheren Maßnahmen, wenn nicht in absehbarer Zeit Abhilfe durch Neu- oder Umbauten geschaffen wird. Ganz oben auf der Agenda des neuen Stadtrates muss also der Bau eines neuen Kindergartens im Baugebiet Himmelweiher stehen.

Um was sich im künftigen Gremium auch Gedanken gemacht werden muss, ist das Thema Tourismus. Soll die aktuelle Politik nach immer mehr weitergeführt werden? Eine Tendenz zum Overtourism ist an immer mehr Tagen zu erkennen. Die vielen kulturellen und touristischen Angebote, die sich wie eine Perlenschnur aneinanderreihen, befeuern diese Entwicklung noch zusätzlich. Wenn ja, dann müssen dringend Maßnahmen getroffen werden, wie temporär zusätzlichen Parkraum auszuweisen, dann ggfl. mit Shuttleservice und den Parksuchverkehr besser regeln – auch mit Einfahrtskontrollen an den Stadttoren. Eine Situation, wie an den vergangenen zwei Wochenenden ist für niemanden zumutbar. Weder den Besuchern noch den Bewohnern unserer Stadt.

Rothenburg ob der Tauber ist weit mehr als ein weltbekanntes historisches Ensemble. Unsere Stadt lebt vom täglichen Einsatz ihrer Bürgerinnen und Bürger – von Menschen, die Verantwortung übernehmen, sei es in ihren Berufen, in Vereinen, im Ehrenamt oder oft still und selbstverständlich im Hintergrund. Dieses Engagement hält nicht nur unsere Altstadt lebendig, sondern trägt maßgeblich dazu bei, dass Gemeinschaft, Verlässlichkeit und Identität hier spürbar bleiben.

Gerade deshalb ist es notwendig, diesem Einsatz mehr Aufmerksamkeit und Respekt entgegenzubringen. Wer zum Funktionieren unserer Stadt beiträgt, verdient Anerkennung, Verlässlichkeit und eine politische Kultur, die zuhört, ernst nimmt und Verantwortung teilt. Engagement, Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt – Werte, die auch in „Tatsächlich… Liebe“ sichtbar werden – bilden die Grundlage dafür, dass wir die Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam meistern können.

Zum Abschluss möchte ich den Blick auf diejenigen richten, die tagtäglich Verantwortung für das Funktionieren unserer Stadt tragen.                                       

Herrn Oberbürgermeister Dr. Naser und der Stadtverwaltung gilt Anerkennung für die engagierte und verlässliche Arbeit zum Wohle Rothenburgs. Ebenso danke ich den Kolleginnen und Kollegen für die gute, konstruktive und wohlwollende Zusammenarbeit im vergangenen Jahr.

Mit diesem Geist von Verantwortung, Respekt und Zusammenarbeit können wir dem kommenden Jahr zuversichtlich entgegensehen. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien einen guten Jahresausklang und alles Gute für das neue Jahr.

Beate Junkersfeld, 19.12.2025

Beate Junkersfeld, 19.12.2025